„Der Weg entsteht im Gehen“

Ökumenische Pilgerwanderung von Prien nach Urschalling
Gemeinsam aufbrechen, neue Wege gehen, Berge versetzen: Unter diesen drei Leitworten stand die ökumenische Pilgerwanderung am Samstag, 26. September. Eingeladen hatten gemeinsam die ökumenische Initiative „Begegnen – Bewegen – Besinnen“ (BBB) aus Bernau und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Chiemsee. Zu sechst machten wir uns am Priener Sportplatz auf den Weg nach Urschalling. Zur Führung in der St.-Jakobus-Kirche kamen dann noch weitere Interessierte dazu.

Gemeinsam aufbrechen
Am Anfang stand Abraham, der aufbricht „in ein Land, das ich dir zeigen will“ (1. Mose 12,1). Er kennt den Weg nicht, nur die Zusage. Aufbrechen, ohne alles zu wissen: Das verbindet uns mit ihm. Nur gingen wir nicht allein, sondern gemeinsam, über die Grenzen unserer Konfessionen hinweg. Jede und jeder nahm einen Stein mit auf den Weg, als Zeichen für etwas, das man mit sich herumträgt.
Neue Wege gehen
Am Marterl bei Hoherting, wo unser Weg ein Stück dem Jakobsweg Böhmen–Bayern–Tirol folgt, hielten wir inne. „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“ (Jesaja 43,19).
Beim Pilgern wird dieses „Jetzt“ spürbar. Der letzte Schritt ist vorbei, der nächste noch nicht da. Ich kann ihn nur jetzt setzen. Wir sind nicht festgelegt auf das Vergangene, und das Morgen ist zunächst ein Versprechen, eine Hoffnung. Aber jeder Schritt gibt uns die Möglichkeit, einen neuen Weg entstehen zu lassen. Der spanische Dichter Antonio Machado sagt es so: „Wanderer, es gibt keinen Weg. Der Weg entsteht im Gehen.“
Am Marterl legten wir unsere Steine ab, so wie es Pilger seit Generationen am Cruz de Ferro in Spanien tun, und gingen leichter weiter.
Verschiedene Wege, eine Hoffnung
Das Zeichen der Jakobspilger ist die Muschel: viele Rillen, die in einem Punkt zusammenlaufen. So beginnen auch die Jakobswege in Böhmen, in Frankreich, in Portugal oder vor der eigenen Haustür, und alle haben ein Ziel. Vielleicht ist das ein Bild für unsere Kirchen. Wir müssen nicht alle denselben Weg gehen, aber wir gehen auf dieselbe Hoffnung zu. Und das Gemeinsame zwischen uns ist nicht einfach da. Es entsteht im Gehen.
Bilder, die erzählen
In Urschalling öffnete sich eine alte Bilderwelt. Die kleine Kirche wurde im 12. Jahrhundert von den Grafen von Falkenstein erbaut und um 1390 fast vollständig ausgemalt. Jahrhundertelang lagen die Fresken unter Tünche, erst ab 1927 kamen sie wieder ans Licht. Auch manches Gemeinsame zwischen unseren Kirchen war lange übertüncht und will neu entdeckt werden.
Besonders berührt das Bild der Dreifaltigkeit: drei Gestalten, jede anders, und doch in einem Mantel vereint. Einheit, die Verschiedenheit nicht auslöscht, ist in Gott selbst schon angelegt. Wir müssen nicht gleich werden, um zusammenzugehören.
Berge versetzen
Zum Abschluss in Urschalling hörten wir Jesu Wort vom Glauben, der Berge versetzt (Markus 11,23). Berge gibt es viele: echte Hindernisse, Ängste in uns, das Trennende zwischen Menschen und Kirchen. Vielleicht verschwinden sie nicht immer. Aber manchmal wächst uns ein Weg darüber. Wenn wir losgehen, Neues zulassen und gemeinsam unsere Hoffnung im Blick behalten, kann uns kein Berg aufhalten.
Mit dem Segen am Sportplatz und einem gemütlichen Ausklang im Café-Restaurant Alpenblick endete der Nachmittag. Die Pilger rufen sich dafür ein altes Wort zu: „Ultreia!“, weiter, vorwärts! Wir hoffen auf eine Fortsetzung.
Klaus Lerch




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